Die Klimaforschung missbraucht die Wissenschaft und instrumentalisiert sie für die ideologische Manipulation der Öffentlichkeit.
Wissenschaft ist schon längst nicht mehr neutral, sondern liefert Ergebnisse auf Bestellung. Wissenschaft agiert dabei immer deutlicher im strategischen Sinn, besonders in der Klimaforschung, bei der Wissenschaft in erster Linie der Bestätigung einer grün-ideologischen Agenda dient. Fakten werden instrumentalisiert, Fakten werden konstruiert - Mutmaßungen, Annahmen, Simulationen, Behauptungen werden als Fakten verkauft, die Öffentlichkeit wird so im Sinne einer Klima-Ideologie manipuliert.
Deutschlands Wissenschaftspolitik brauche eine Umkehr, schreibt Axel Bojanowski, Wissenschafts-Journalist, jüngst in der der WELT. "Forschung, Lobbyarbeit und Regierungsberatung müssen getrennt, die staatlichen Forschungsbeiboote eingehegt werden."
Anlass seines Appells war ein großes Ereignis: Klimaforscher hatten ihr extremes Szenario “RCP8.5” zurückgezogen. Und sogleich begann ein Wettlauf um die Deutungshoheit.
<< Obwohl das RCP-8.5-Szenario nie realistisch war, weil es einen exorbitanten Kohlekonsum voraussetzte, für den es nie Indizien gab, beeilten sich Lobbyisten, ihren Spin durchzusetzen: Die Rücknahme des Extremszenarios sei dem Ausbau erneuerbarer Energien zu verdanken. Die meisten Medien übernahmen die falsche Deutung.
Hinter der Kampagne steckt ein System, das weit über die Klimaforschung hinausreicht und längst zum fundamentalen Problem geworden ist.
Wissenschaft genügte sich auch früher nicht nur sich selbst, war nie nur an der Erkenntnis um ihrer selbst willen interessiert. Wissenschaft war nie frei von Interessen. Fürsten, Kirchen, Militär, Industrie, Regierungen haben Forschung nicht nur gefördert, sondern auch benutzt.
Deutschland aber hat sich lange eingebildet, dass Universitäten und große Forschungsinstitute Orte seien, an denen Erkenntnis weitgehend gegen die Zumutungen politischer Interessen geschützt sind. Das Ideal ist seltener geworden.
"Nicht Bücher, Entdeckungen oder Ideen begründen in der schönen neuen Wissenschaftswelt den Ruf eines Forschers, sondern die Millionen, die er seinem Institut zuführt“, schreibt Michael Sommer, Professor für Alte Geschichte an der Universität Oldenburg.
Seit 1997 hat sich der Anteil an Drittmitteln am Forschungsetat für deutsche Hochschulen von 16 auf 28 Prozent erhöht. Größter Geber ist der Bund. Ein brisantes Ergebnis: Nicht die Industrie, sondern vor allem der Staat hat die Wissenschaft in den Projektmodus gezwungen – aus Eigeninteressen.
Besonders deutlich lässt sich die Entwicklung in den Klima- und Energiewissenschaften beobachten. Dort ist in den vergangenen Jahren ein eigener Kosmos aus Instituten, Denkfabriken, Beratungsfirmen, Stiftungen, Ministerien und halböffentlichen Agenturen entstanden, gefördert vor allem mit Steuergeld. Die Grenze zwischen Forschung, Politikberatung und Kampagne ist fließend geworden.
Mit der Energiewende habe die Bundesregierung 2011 ihre Förderpolitik radikal umgestellt, erläuterte Andreas Troge, bis 2009 Präsident des Umweltbundesamtes UBA: Früher förderte der Staat viele kleine Themen, die neue Strategie hingegen verfolge vor allem ein Ziel: die Umstellung der Energieversorgung.
Troge spricht vom „gesamthaften Top-down-Ansatz“:
Mit neuen finanziellen Etats sei ein „großes Netzwerk“ geflochten worden: Neben den großen Umweltverbänden begleite eine Reihe kleiner Forschungsinstitute die Transformation mit Studien.
Der Ex-UBA-Chef bezeichnet diese als „Beiboote des Umweltministeriums“, die dem „Hauptschiff Freiraum geben und den Umweltdiskurs in seinem Sinne ändern sollen“.
Solche Einrichtungen entdecken nur „selten Widersprüche zur BMU-Politik“, stellt Troge fest, ihre wesentliche Aufgabe bestehe darin, den „Legitimierungsdruck zugunsten der Energiewende zu erhöhen“.
Ihre Öffentlichkeitsarbeit sei „offensiv und sehr gut orchestriert“, Pressemitteilungen würden „im Akkord verschickt“.
Studien wie „Klimaneutrales Deutschland“, 2020 erstellt von Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und der Stiftung Klimaneutralität, verraten schon mit der Fragestellung die Zielsetzung: „Wie kann Deutschland ohne Kohle, Erdöl und Erdgas funktionieren?“
Das Ergebnis kam wie bestellt: Klimaneutralität 2050 sei machbar, ein neues Zwischenziel von minus 65 Prozent Treibhausgasen bis 2030 ebenfalls, allerdings brauche es eine beschleunigte Energiewende.
Wie viele andere Studien aus der staatlichen Projektforschung übersetzte auch diese politische Ambition in einen Machbarkeitsbeweis.
2019 präsentierte das Wuppertal Institut im Auftrag des Umweltverbands Nabu die Studie „Strategien für eine naturverträgliche Energiewende“. Ergebnis: Energiewende und Naturschutz seien vereinbar.
Lobbyismus und strategische Wissensproduktion: Dabei besonders aktiv ist das Potsdam-Institut PIK, eine im Lobbyregister eingetragene Einrichtung für Klimafolgenforschung, die stark von Drittmitteln abhängt und mit permanenter Medienpräsenz die Klimadebatte in Deutschland wesentlich prägt, indem seine Publikationen die Dringlichkeit von Klimawandel und Energiewende beschwören.
2008 gründete das PIK die Tochtereinrichtung Climate Analytics unter Leitung zweier ehemaliger Greenpeace-Mitarbeiter, die auch vom Bundesumweltministerium und Klimaschutz-Stiftungen finanziert wird.
Das erfolgreichste Instrument des Instituts ist der „Climate Action Tracker“ (CAT), den das Bundesumweltministerium gesondert unterstützt, für die Jahre 2016 bis 2022 mit fünf Millionen Euro.
Der CAT soll Auskunft geben über mangelnden Fortschritt beim Klimaschutz. Climate Analytics spielt das Ergebnis jedes Jahr aufs Neue erfolgreich in die Medien.
Projektforschung belohnt Anpassung. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, das sich vor allem aus Drittmitteln finanziert, produziert Studien pro Solarenergie, welche Kernkraft schlechtrechnen.
In der Arbeit „Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien“ erweist sich die Atomkraft als ausnehmend teuer, weil Fraunhofer ISE unrealistisch niedrige Auslastung von AKW zugrunde legt.
Die Voreingenommenheit überrascht umso mehr, weil Fraunhofer-Institute eigentlich einen ausgezeichneten Ruf genießen. Ein einzelner Ableger drohe den Ruf der gesamten Institution zu ruinieren, sagte mir jüngst ein Energiewissenschaftler.
Während Wissenschaftler aus der Grundlagenforschung sich aus öffentlichen Debatten weitgehend heraushalten, drängen die anderen hinein.
So waren nach der Abschaffung des Klima-Extremszenarios fast nur Stimmen zu hören, welche die Änderung der Klimaszenarien aus Opportunitätsgründen als Erfolg der Energiewende feierten.
"Klimaschutz hat gewirkt“, behauptet beispielsweise ein Funktionär des New Climate Institute, das sich aus Drittmitteln finanziert.
Journalisten lassen sich von der Homogenität der Äußerungen beeindrucken und brandmarken abweichende Stimmen als wissenschaftliche Außenseiter, was andere Abweichler umso mehr abschreckt, sich zu äußern – übrig bleibt die politisch gewünschte Botschaft.
Was also?
Stattdessen bräuchte das Land wieder mehr Wissenschaft, die wirklich Erkenntnis liefert: Grundlagenforschung, auch für den Klimawandel. >>
(Quelle: Axel Bojanowski in 'Klimawandel-Hintergründe')