Mediale Skandalisierungen sind die neuen Schmierenkomödien

Warum ist dieser Fall "Fernandes/Ulmen" seit Tagen überhaupt medial so präsent, hat Collien Fernandes doch schon seit längerer Zeit von "Deep Fakes" berichtet, sogar dazu eine Art Doku gedreht? Zeigt der Fall das wichtigste Problem, das wir in Deutschland derzeit haben? Ablenkung von anderen Themen? Soll der Fall instrumentalisiert werden, um umstrittene politische Vorhaben jetzt schnell und widerstandslos umzusetzen?

Schaue ich mir das mediale Echo der letzten Tage von mehreren Seiten an, erscheint vieles erschreckend, aber auch merkwürdig, diffus und wie konstruiert. Es bleibt letztlich ein Geschmäckle, dass hier eine Kampagne gestartet wurde. Ein durchsichtiges Manöver, um mit dem Problem einer Trash-TV-C-Promi eine mediale Empörung (ohne dass es dazu ein abgeschlossenes Verfahren, geschweige denn ein Urteil gibt, ausser einseitige Behauptungen) zu konstruieren, um diesen Einzelfall zu nehmen, politisch mit Tempo und reiten der Empörungswelle, eine Gesetzesverschärfung (Klarnamenpflicht /ID) durchzuboxen.

Schon über mehrere Wochen gab es Berichterstattung, Talksendungen, Podcast, wurde die aktuelle "Fernandes-Empörung" kampagnenartig vorbereitet. Ähnliches lief schon damals in den Fällen "Kachelmann" und "Lindemann". Zumal für die Aufklärung in dem Fall "Fernandes" z. B. eine Klarnamenpflicht überhaupt keine Rolle spielt, es für genau solche Fälle schon längst Paragrafen gibt - siehe z. B
§ 238 Strafgesetzbuch. Ergo: Die Politik will einen solchen Einzelfall instrumentalisieren, um ihre Internet-Kontrolle und -Überwachung mit einem Angriff auf einen zentralen Kern der Meinungsfreiheit - die Anonymität - auszubauen. 
Und tägliche, brutal körperliche Vergewaltigungen laufen medial weiter unter ferner liefen, wecken keine mediale Promi-Empörung, initiieren keine Demos, bzw. führen nicht zu einer unmittelbaren Handlungsaktivität der Politiker. Spätestens seit der "Causa Epstein" sollten wir alle es doch besser wissen.

Aber die Politik scheint primär das Internet als den "Hort des Bösen" framen zu wollen, der primär "hartes Handeln der Politik" erfordert. Logisch, entzieht sich doch gerade das Internet (weiter) der kompletten Kontrolle und Überwachung seitens des Staates.